Predigten

Predigt zum 4. Advent – Gott ist nahe

Predigttext: 1.Mo. 18,1-2.9-14

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde,

der 4. Advent ist der Sonntag, der dem Weihnachtsfest am nächsten ist und von daher schwappt schon ein bisschen die Vorfreude rüber an diesen Tag. „Der Herr ist nahe!“ so hörten wir es aus dem Philipperbrief. In den vergangenen Jahren haben wir viel über die Person der Maria nachgedacht, deren Geschichte ein schwanken zwischen Verzweiflung und Freude war und uns viel für den Glauben lehren kann. Bei ihr war das mit der Nähe göttlicher Gegenwart recht eindeutig, denn ist sie ja die Frau, die das Kind zur Welt brachte, in dem viele die Gegenwart Gottes in besonderer Weise verehrten.

Heute haben wir einen Ausschnitt aus der Erzählung von Abraham und Sarah gehört. Beiden erreichte die Nachricht von der Geburt ihres Sohnes, als sie bei der Eiche von Mamre ihr Lager aufgeschlagen hatte. Drei Männer in weiß gekleidet besuchten sie und brachten diese Botschaft. Die Geburt eines Kindes steht bevor. Gottes Gegenwart will auch für Abraham und Sarah lebendig werden in einem Menschen. Ihr Geschichte zeigt uns jedoch, welche tiefgreifend Bedeutung diese Verbindung des Göttlichen mit dem Menschlichen hat. Machen wir uns dazu die Geschichte von Abraham und Sarah deutlich.

Am Anfang hießen sie noch nicht so, da waren ihre Namen Abram und Sarai und beide waren sehr alt als sie noch in Ur im Zweistromland wohnten. Über 70 Jahre. Sie haben ihr ganzes Leben dort verbracht, sind zu Wohlstand und einem guten Leben gekommen. Sie haben aber einen Traum, der nicht in Erfüllung gegangen ist. Sie haben keinen Sohn, keinen Nachkommen, an dem sie ihre Tradition, ihren Besitz weitergeben können. Ja und sie haben mit ihm auch keine Rentenversicherung, keinen der sich um sie kümmert, wenn sie Unterstützung brauchen. Und so sehnten sie sich nach einem Sohn.

Eines Tages begegnete Abram Gott und Gott sprach zu ihm: Du sollst einen Sohn bekommen und er soll viele Nachkommen haben und er soll ein großes Volk werden, so viele Menschen wie Sterne am Himmel. Abram schaute an den Himmel und er vertraute dieser Zusage. Doch die Zusage von Gott hatte eine Bedingung. Gott sagte, verlasse dein Zuhause und gehe in ein Land, das ich dir zeigen werde. Gehe los und nimm deine Frau und das Nötigste mit. Und ich werde dir das Land zeigen, in dem du und deine Nachkommen leben können. Und diese beiden alten Menschen machten sich auf den Weg. Sie vertrauten der Zusage von Gott, sie vertrauten darauf, dass die Zukunft vor ihnen liegt – reich und groß – und sie ließen alles zurück. Ihr ganzes bisheriges Leben. Nur die Magd Hagar und der Neffe Lot kamen mit.

Liebe Gemeinde, alles aufgeben, es zu rücklassen und losgehen. Wie oft habe ich versucht mir vorzustellen, wie das ist, wenn mein Vater von seiner Fluchtgeschichte als Kind im Krieg erzählte. Er kannte diese Erfahrung und ich konnte sie kaum nachempfinden aus meinem Reichtum und meiner Fülle heraus.

Jedoch sind wir zurzeit auch in einem Prozess, in dem es heißt, das Gewohnte zurückzulassen. Dieses Weihnachtsfest wird ganz anders als wir es uns je gedacht haben. Keine schönen Bilder von trautem Familienleben im Krippenspiel, keine alten Weisen, die wir so gerne singen, um ein schönes Gefühl zu bekommen, keine Gemeinschaft, wie wir sie kannten. Es ist alles anders und manch einer fragt sich: Sollten wir denn überhaupt Weihnachten feiern? Alles, was Weihnachten ausmacht, ist in diesem Jahr nicht. Lassen wir es ausfallen.

Besinnen wir uns auf Abram und Sarai. Die Sehnsucht nach einer Zukunft nicht nur für sich selbst, erfüllt sie so sehr, dass es anscheint keinen Zweifel gibt. Die beiden lassen alles zurück und gehen in ein unbekanntes Land. Und damit fragen sie uns heute: Was ist bei uns vorherrschend? Sind wir Menschen, die aus der Angst um uns, unsere Gesundheit und um unsere eigene Zukunft heraus handeln oder leben wir aus dem Vertrauen auf Gott und seine Verheißung der Erfüllung für alle? Das ist keine einfache Frage heutzutage, denn die Angst ist eine große und mächtige Kraft, die jeden Verstand überwinden kann und lähmt. Und die Realität der Kranken und Sterbenden ist groß und kann einen gewaltigen Schrecken ausüben. Aber die Frage nach unserem Vertrauen auf Gott bleibt. Der Herr ist nahe! Die göttliche Gegenwart will zu uns kommen und in unserem Herzen lebendig werden. Sind wir bereit dazu oder von unserer Angst gelähmt, mit der Sorge um die schönen Traditionen beschäftigt? Sicher bedeutet ein unbekanntes Land, dass man nicht weiß, wie es aussieht und man kennt die Gepflogenheiten nicht, die dort herrschen. Es ist alles neu. Aber wenn man, wie die beiden alten Menschen nicht losgeht, wird man es auch nicht entdecken. Wir müssen heute Mittel der Technik nutzen, um Gemeinschaft erleben zu können. Nähe ist möglich, aber eben nicht, wie wir es bisher so gewohnt waren. Ich erlebe Menschen, die mit Telefonieren Schwierigkeiten haben oder sich gegen Sprachnachrichten verweigern. Sorry, die Reise geht weiter und die Zukunft liegt in einem Land, dass wir nicht kennen. Wo ist z.B. der Internetanschluss in der Kirche, damit sich Menschen von nah und fern einwählen können am Sonntagmorgen und Gemeinschaft finden unter Gottes Wort und eine gemeinsame Zukunft erträumen? Vielleicht wäre ein Konzept zur Digitalisierung zukunftsweisender als die xte Fassung einer Hygieneverordnung. Verweigern wir uns nicht der Gegenwart, sondern halten wir trotz allem an dem Traum der Zukunft in Gemeinschaft fest. Gehen wir den Weg, den es momentan gibt. Ziehen wir los, damit wir das Neue entdecken können.

Liebe Gemeinde, schauen wir noch einmal auf Abram und Sarai. Beide waren ja nicht nur die Hoffnungsvollen. Zweifel begleiteten sie. Und eines Tages war Gott es leid und schloss einen Bund mit ihnen. Die Änderung des Namens sollte sie erinnern, dass Gott und Mensch zusammengehören. Das H aus dem Gottes Namen sollten sich beide einfügen, damit sie nicht vergessen, dass Gott immer da ist und seine Verheißung gilt. Und so wurde aus Abram – Abraham und aus Sarai – Sarah mit einem H am Ende. Und aus dieser Verbindung heraus bekommen sie die Zusage: In einem Jahr wird der Sohn geboren werden. Aus menschlicher Sicht ein Unding, denn biologisch war für beide das Kinderkriegen nicht mehr möglich. Aber in Gottes Gnade erscheint die Welt anders. Als Sarah diese Nachricht hört, lacht sie. Und weil sie lacht, nennt sie ihren Sohn, den sie in einem Jahr bekommt, auch das Lachen – auf Hebräisch: Isaak.

Ja fast nicht zu glauben: In einem Jahr wird alles anders sein und es wird Lachen herrschen. Gottes Nähe wird, die Menschen zum Lachen bringen und ihrem Leben eine Zukunft ermöglichen als Gemeinschaft.

Liebe Gemeinde, in diesem Jahr wird Weihnachten anders sein. Wir werden uns auf das Wesentliche zurückziehen müssen. Keine Ablenkung. Gott wird Mensch im Herzen jedes einzelnen Menschen. Das Göttliche kommt uns nah und will uns zum Lachen bringen über die Verrücktheit des Lebens. Das bedeutet nicht, dass das Schwer weg ist, aber die Nähe Gottes will unser Vertrauen stärken, das Vertrauen in die gemeinsame Zukunft.

Gehen wir den Weg, der unausweichlich vor uns liegt mit allen Höhen und Tiefen und vertrauen wir auf das Lachen, das uns erwartet, wenn wir voller Zuversicht weiter gehen.

Gottes Nähe ist, sie wird sein und sie ist unabhängig von der Dunkelheit in dieser Welt. Sie will in unserem Herzen lebendig werden und durch uns scheinen zu den Menschen. Lassen wir es zu, dass wir Licht in dieser Welt sein dürfen und den Menschen Hoffnung bringen. Finden wir Zeichen und Möglichkeiten, miteinander im Herzen verbunden zu sein, auch wenn wir es heute noch als ungewöhnlich und verrückt ansehen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alles Vernunft bewahre unser Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn. Amen.